Facharbeit im Fach Kunst
Thema: Farbliche Neugestaltung einer Schulfassade des Max-Planck-Gymnasiums Düsseldorf

von Pia Brockerhoff (2001)

Inhaltsangabe


1. Aufgabenstellung
2. Vorwort
3. Analyse des Ist-Zustandes des Schulgebäudes und der Schulfassade
4. Theoretische Auseinandersetzung mit einer neuen Farbgebung
5. Entwürfe für eine farbliche Neugestaltung der Schulfassade
6. Auswahl eines Entwurfes mit Begründung 




1. Aufgabenstellung 


Mir wurde von unserer Kunstlehrerin, Frau Dengler, das folgende Thema für eine Facharbeit gestellt :
'Farbliche Neugestaltung einer Schulfassade des Max-Planck-Gymnasiums' 
(genauer gesagt, die Fassade des Oberstufengebäudes am hinteren, zum Schulgarten gelegenen Eingangsbereich)

Nach der Analyse des Ist-Zustandes des Schulgebäudes und der Schulfassade bezüglich Architektur und Farbgebung soll ich verschiedene Vorschläge machen, wie die Fassade farblich umgestaltet werden könnte. 
Im Anschluss daran soll ich mich für einen Entwurf entscheiden und begründen, warum ich diesen ausgewählt habe.




2. Vorwort


Um mit dieser Arbeit beginnen zu können, besorgte ich mir erst einmal aus dem Schularchiv eine Bauzeichnung des Architekten Hans Rudolf Plarre, der diese am 8.5.1973 erstellt hatte.
Da auf dieser Zeichnung die Adresse des Architekten angegeben war, habe ich über die Auskunft die Telefonnummer ausfindig gemacht und kurzer Hand bei ihm angerufen in der Hoffnung, weitere Informationen über das damalige Bauobjekt von ihm zu erhalten.
Leider stellte sich heraus, dass Herr Plarre schon seit 1986 pensioniert ist, keine weiteren Unterlagen mehr existieren und er sich auch nicht mehr an Einzelheiten erinnern konnte. Schade, es war ein Versuch wert!

Danach suchte ich die Stadtbibliothek am Hauptbahnhof auf. über das Thema 'Farblehre' hätte ich mir eine Menge Bücher ausleihen können, aber über 'Farbe in der Außenarchitektur' wurde ich nicht fündig. Damit der Besuch nicht vergeblich war, lieh ich mir drei Bücher über 'Fassadenmalerei' aus.

Auf eine weitere Idee, um an Informationsmaterial zu gelangen, brachte mich eine Architekturstudentin, unsere ehemalige Babysitterin. Sie erzählte mir von einem Projekt des Düsseldorfer Schauspielhauses. Angeblich soll einmal eine Ausschreibung gemacht worden sein für eine farbliche Neugestaltung der Schauspielhaus-Fassade.

Obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben und sämtliche Behörden angerufen habe, wie z.B. das Hochbauamt, Abt. Kulturbauten, Abt. Sonderprojekte, die Ausschreibungsstelle, das Kulturamt, das Schauspielhaus, usw., erhielt ich keinerlei Auskunft. 



Fazit der damaligen Aktion war, dass das Schauspielhaus wieder wie vorher weiß angestrichen wurde und die Farbeffekte jetzt abends durch verschiedenfarbige Beleuchtung erzielt wird. Die Überlegungen, die zu diesem Ergebnis geführt haben, hätten mich im Zusammenhang mit meiner Facharbeit sehr interessiert.

Nachdem ich noch versucht habe, Informationen aus dem Internet zu bekommen und auch hier nichts Brauchbares gefunden habe, werde ich mich jetzt auf meine vorhandene Literatur, bzw. die meiner Lehrerin, (siehe Quellennachweise) beschränken.




3. Analyse des Ist-Zustandes des Schulgebäudes und der Schulfassade


Architektur

In den siebziger Jahren, in der das Schulgebäude entstand, wurde gerne mit Stahl, Beton und Glas anstelle traditioneller Rohmaterialien wie Steine und Holz gebaut.



Zur Geschichte der Betonbauweise :

Nach der Jahrhundertmitte (1850) tauchte ein neues Baumaterial auf, das die Bauweise bald entscheidend beeinflussen sollte: der Zement. Zement, mit Kies, Sand und Wasser zu Beton gemischt, liefert den vielseitigsten, billigsten, bequemsten und beständigsten Baustoff der Neuzeit. Er hat zudem den Vorteil, dass die zur Herstellung benötigten Rohstoffe überall in reichlichen Mengen vorhanden sind. Seine eigentliche Bedeutung erlangt der Zement erst in Verbindung mit der Eisenkonstruktion.

Die vielen Vorteile, wie

- verhältnismäßig kurze Bauzeit
- Wirtschaftlichkeit
- vielseitige Möglichkeit der Anwendung
- Feuersicherheit
- Sauberkeit
- Materialechtheit
- Wegfall der Unterhaltskosten

sind wahrscheinlich Gründe dafür, warum häufig städtische Gebäude, wie Schulen, Theater, Brücken, etc. in der Betonbauweise gebaut werden.

(Quelle: 'Moderne Architektur' v. W. Broer u. A. Schulze-Weslarn)


Durch diesen Baustoff wurde eine neue Bautechnik möglich, die auch bei dem Oberstufengebäude des Max-Planck-Gymnasiums, einem 2-stöckigen Flachbau, angewandt wurde.

Die Mauern wurden nicht mehr wie bisher beim Backsteinhaus als tragende Teile des Hauses errichtet, sondern die ganze Last des Gebäudes ruht jetzt auf einem Stützskelett aus Stahl und Beton.
Die Wände, die vorgefertigt angeliefert werden können, sind lediglich eine Schutzhaut, die, zwischen die Säulen des Skelettes gespannt, vor Witterungseinflüssen, Wärme und Kälte, und vor Schall schützen soll.

An Stelle des alten, aus der vollen tragenden Wand aus-geschnittenen Fensters, tritt ein Fensterband, das zu einem typischen Merkmal der neuen Architektur geworden ist (siehe nachfolgende Bauzeichnung).

Das flache Dach hat das alte Steildach aus Ziegel und Schiefer verdrängt, weil seine Vorzüge erkannt wurden: klare rechteckige Dachräume anstelle schwer ausnutzbarer toter Winkel unter dem Schrägdach, Vermeidung hölzerner Dachstühle, die so häufig Anlass zu Dachbränden bieten, bessere An- und Aufbaumöglichkeiten, keine Windangriffsfläche, daher geringere Reparaturbedürftigkeit, Vermeidung von Anschlüssen, Rinnen und Abwasserrohren aus vergänglichem Zinkblech.

(Quelle: 'Die neue Architektur' v. Walter Gropius /1935)


Um eine größere Eingangs- bzw. Pausenhalle zu erhalten, 'klebt' das Treppenhaus in Form eines Turmes außen am Gebäude fest. Dies lockert die sonst sehr triste, schmucklose Fassade etwas auf (siehe Fotos).


  


Die Fassade

Die Fassade des Schulgebäudes ist aus Sichtbeton.

Die noch erkennbare Holzstruktur entstand dadurch, dass nach dem Aushärten des Betons die Schalbretter nur entfernt und die Oberfläche nicht weiter nachbehandelt wurde (weder durch Auftragen von Putz noch durch einen Farbanstrich).

Diese Gestaltungsform wurde von den 'Brutalisten' (ab 1958) gerne verwandt. Diese Tendenz zur Rauheit führte dazu, dass da wo der oben genannte Effekt nicht ausreichte, der Beton nachträglich steinmetzmäßig aufgerauht wurde.

Bei unserem Schulgebäude wurde aber darauf verzichtet. 



Die Farbe Rot des Eingangsbereiches

Leider konnte mir der Architekt, Herr Plarre, nicht mehr sagen, warum die Farbe Rot für den Eingangsbereich (siehe Fotos) ausgewählt wurde. 

Vielleicht war die Farbwirkung von Rot dafür aus-schlaggebend, denn Rot ist die dynamischste, aggressivste Farbe, sie ist explosiv, voller Leben und Spannung. Rot regt besonders physisch und psychisch an. Es fördert körperliche Arbeit und Bewegung. Rot scheint vorwärts zu streben, gibt den Eindruck von Nähe.

(Quelle: 'Morgen wohnen wir schöner' v. H.M. Witzemann / 1971)


Wenn man die symbolische Bedeutung der Farbe betrachtet, kann ich mir nicht vorstellen, dass man sich deshalb für Rot entschieden hat.

Beispiele für die Zuordnung der Farbe Rot :

- männlich
- Krieg (Kriegsgott Mars)
- Macht der Herrscher (rote Gewänder)
- Richter des Bundesverfassungsgerichtes (rote Roben)
- als Zeichen höchster Machtbefugnisse
- Sühne und Sünde (in der Bibel)
- Liebes- und Muttergöttin
- Verkörperung von Macht und Gerechtigkeit (Papst, hohe Würdenträger)
- Hexen (rotes Haar, spitzes Kinn, steckt der Teufel drin)
- Modefarbe (in früher Zeit war rote Seide ein Luxusgut)
- Politik (rote Fahnen bei Streiks, Kundgebungen)
- Signalfarbe (Verkehr wie Stop-Schild, Ampel)
- Warenwerbung (erotisch siehe roter Mund)
- Liebe (rote Herzen)





Auch Rot als Symbolfarbe für eine Epoche, wie bei Blau für die Zeit der Romantik, kommt nicht in Betracht, da sich für Rot in dieser Hinsicht nichts Vergleichbares findet.

(Quelle: 'Aspekte einer Farbe Rot' v. Josef Walch / 'Licht u. Farbe. Ordnung und Funktion der Farbenwelt' v. Eckart Heimendahl)


Daher komme ich zu der Meinung, dass die Farbe Rot nur deshalb ausgesucht wurde, um einen starken Kontrast zu der grauen, düsteren Betonfassade zu erhalten. Die Farbe strahlt außerdem Wärme und Wohlbehagen aus, was sicherlich auch so gewollt war für den Eingang in ein Schulgebäude.




4. Theoretische Auseinandersetzung mit einer neuen Farbgebung


Bevor ich mich mit diesem Thema auseinander setze, möchte ich das Glaubensbekenntnis von 'Henry van de Velde' zitieren, das mir sehr gefallen hat :

'Du sollst die Form und die Konstruktion aller Gegenstände nur im Sinne ihrer elementaren, strengsten Logik und Daseinsberechtigung erfassen. Du sollst diese Formen und Konstruktionen dem wesentlichen Gebrauch des Materials, das du anwendest, anpassen und unterordnen.
Und wenn dich der Wunsch beseelt, diese Formen und Konstruktionen zu verschönern, so gib dich dem Verlangen nach Raffinement (Verfeinerung), zu welchem dich deine ästhetische Sensibilität (Empfindsamkeit im Bereich des Sinnhaften) oder dein Geschmack für Ornamentik - welcher Art sie auch sei - inspirieren wird, nur insoweit hin, als du das Recht und das wesentliche Aussehen dieser Formen und Konstruktionen achten und beibehalten kannst.'

(Quelle : 'Vom neuen Stil', Henry van de Velde, Leipzig 1907)

Ich glaube, dass ich dies auch bei meinen Überlegungen für eine neue Farbgestaltung der Schulfassade berücksichtigen sollte.

Wie man auf dem nächsten Foto sieht, ist die Fassade im Laufe der Jahre sehr hässlich geworden. An den einzelnen Betonelementen haben sich 'Nasen' durch herunter gelaufenes Regenwasser gebildet, der Treppenhausturm ist teilweise mit Graffiti beschmiert.



Wenn ich an die Entwürfe für eine neue Farbgestaltung der Fassade gehe, muss ich mir überlegen, ob ich nur die Flächen farblich verändere, oder ob ich auch die Fenster- und Türrahmen mit einbeziehe. Der Turm, als Blickpunkt, muss meines Erachtens besonders hervorgehoben werden.

Dabei sollte ich nicht nur nach meinem Farbempfinden gehen, sondern bei der Farbwahl auch die Faktoren wie stilgeschichtliche Herkunft, Standort, Art und architektonische Gliederung des Bauwerks berücksichtigen.

Darüber hinaus ist die Farbwirkung sehr wichtig. So kann das Erscheinungsbild des Gebäudes durch ent-sprechende Farbgestaltung malerisch (Verzicht auf starke Hell-Dunkel-Kontraste) oder graphisch (Betonung starker Hell-Dunkel-Kontraste) sein.
Durch die Ausdruckswerte der Farbe und die Quantitäts- und Qualitätskontraste kann ein Gebäude dynamisch oder statisch, hell oder dunkel, leicht oder schwer, sauber oder schmutzig, freundlich oder bedrückend, lastend oder schwebend, kompakt oder transparent erscheinen.

Nicht ganz unwichtig finde ich, wie die einzelnen Farbtöne von den Betrachtern, in diesem Fall von den Schülern und Lehrern, wahrgenommen werden. Psychologen werden häufig als Berater hinzugezogen, wenn es um die farbliche Gestaltung von Büroräumen, Krankenhäusern, Kaufhäusern, etc. geht.

Die moderne medizinische Forschung hat durch umfangreiche klinische Versuche den Zusammenhang zwischen Farbe und menschlichem Wohlbefinden aufgeklärt. Z.B. soll rote Beleuchtung in Krankenhäusern die sensorischen Nerven stimulieren, grünes Licht die Schleimhäute reinigen, eine wassergrüne Umgebung günstig auf Leberkranke wirken und Appetitlose werden angehalten, in ockergelben Speisezimmern zu essen.

(Quelle: 'Psychologie der Farbe' in 'Einführung in die Farbenlehre' von Donald Brinkmann / 1947)




5. Entwürfe für die farbliche Neugestaltung der Schulfassade



Da ich bei meinen Entwürfen für eine farbliche Neugestaltung der Fassade weder auf eine architektonische Meisterleistung Rücksicht nehmen muss, noch steht das Gebäude unter Denkmalschutz, möchte ich Farben wählen, die sich in Landschaften oder Tages- und Jahreszeiten widerspiegeln und darüber hinaus auf die Schüler motivierend, erholend und kräftigend wirken und Freude erzeugen.


Zu Entwurf Nr. 1:

Sonnige, warme Farbtöne, um eine freundliche, belebende, stimulierende Umgebung zu schaffen (Sonnenauf- und Untergang)




Zu Entwurf Nr. 2:

Spektralfarben, die sich in der Natur im Regenbogen wiederfinden




Zu Entwurf Nr. 3:

Kalte Farben wie Blau und Grün in Kombination mit Gelbtönen. Die Wirkung soll geistig anregend und erheiternd sein (Himmel, Wiesen, Sonne, Weizenfelder)




Zu Entwurf Nr. 4:

Regenbogen-Farben in Kombination mit Erdfarben, die wärmend und ausgleichend wirken




Zu Entwurf Nr. 5:

Wandmalerei 'Die Schüler' betont durch Rot, stehend für dynamisch und voller Leben




Zu Entwurf Nr. 6:

Betonung des Turms durch Wandmalerei 'Gallionsfigur am Schiffsbug' und eine violette Farbgestaltung
Dieser Entwurf ist nicht geeignet, da Violett Sehnsucht, Unlust und Unzufriedenheit hervorruft




Zu Entwurf Nr. 7:

Verschiedene Rot-Töne sollen Wärme ausstrahlen, da die Fassade durch ihre Nord-Ost-Ausrichtung nur in den Morgenstunden von der Sonne beschienen wird




Zu Entwurf Nr. 8:

Betonung des Turms durch Wandmalerei
'Die vier Jahreszeiten' in Kombination mit Grün, Blau und Gelb





6. Auswahl eines Entwurfes mit Begründung


Wenn ich die Schulfassade farblich neu gestalten müsste, würde ich mich für meinen Entwurf Nr. 8 entscheiden.

Mir war daran gelegen, den Treppenhausturm durch eine Wandmalerei hervorzuheben, um einen Kontrast zu der sonst monotonen und schlichten Betonfassade zu erhalten.

Ich habe als Motiv 'Die vier Jahreszeiten' gewählt, weil die verschiedenen Bilder Emotionen bei den Schülern hervorrufen und den grauen Schulalltag etwas freundlicher und lustiger gestalten sollen.

Diese vier Bilder erwecken nicht das Gefühl von Enge und Eingeschlossensein, weil die Aktivitäten der Kinder im Freien stattfinden. Vielleicht bieten die Motive auch Gesprächsstoff für die Schüler, wenn sie in den Pausen von den nächsten Ferien träumen oder ihre Freizeitaktivitäten planen.

Ich habe mich für die Farben Blau, Grün und Gelb als Farbanstrich für die angrenzenden Wände entschieden, weil sie von der Wirkung her Ruhe, Frieden, Anregung, und Sicherheit vermitteln. Dies ist meines Erachtens wichtig für ein Schulgebäude.